Zucht und Aufzucht

Alles beginnt damit, daß die Stute dem Probierhengst zugeführt wird, um zu sehen, ob sie bereits rossig ist oder nicht. Schlägt sie den Hengst ab, ist sie nicht rossig.
Rossigkeitsmerkmale sind pinkeln und blitzen, sobald der Hengst sie beschnuppert.
Ob die Stute dann allerdings schon bereit ist zum Decken, kann nur der Tierarzt bestimmen. Der macht eine Tastuntersuchung durch den Mastdarm und stellt dadurch fest, ob der Eisprung kurz bevor steht, schon stattgefunden hat oder noch ein wenig Zeit ist.
Bei Stuten, die bereits ein Fohlen bei Fuß haben, wird gerne die Fohlenrosse, ca. 10 Tage nach der Geburt genutzt, um im nächsten Jahr so früh wie möglich ein neues Fohlen zu bekommen.
Da die Pferde automatisch am 1.1. des nächsten Jahres als Jährlinge zählen, unabhängig davon, wann sie geboren wurden, so ist es gerade bei den Vollblütern wichtig, so früh wie möglich im Jahr ein Fohlen zu bekommen, da sie bereits mit 1 ½ Jahren ( meistens so im Oktober ) in die Rennställe gehen.

Der Deckakt

Nun zeigt die Stute, daß sie rossig ist und der Tierarzt gibt sein Okay, kann die Stute gedeckt werden. Dazu wird der Schweif einbandagiert, ihr Fußfesseln umgelegt und um den Hals gelegt, manche benutzen auch Filzschuhe um die Hinterhufe, damit sie den Hengst durch Tritte nicht verletzten kann.Bei unruhigen Stuten kann auch eine Nasenbremse in Betracht gezogen werden, um die Stute ruhigzustellen.
Bei den Vollblütern wird noch im Natursprung gedeckt. Dem Hengst braucht man keine lange Zeit geben. Sobald er die Deckhalle / Deckstand betritt, weiß er schon, was er zu machen hat.
In der Regel wird ein unerfahrener Hengst eher an erfahrene Stuten herangeführt und umgekehrt. Es könnte fatale Folgen haben, wenn eine unerfahrene Stute an einen unerfahrenen Hengst gerät. Sind beide erfahren, ist das logischerweise kein Problem.
Der Hengst wird an die Stute herangeführt. Er besteigt die Stute und dringt in sie ein. Dabei legt er seine Brust auf ihre Kruppe und umklammert sie mit seinen Vorderbeinen. Dabei zwickt er sie zärtlich in Widerrist oder Mähnenkamm.
Ein guter Hengst soll recht schnell ejakulieren. Ob Stute und Hengst dabei auch Gefühle haben, wissen nur die Pferde.
Nach vollzogenem Deckakt gleitet der Penis aus der Stute und wird mit lauwarmen Wasser abgespült.
Nun werden Hengst und Stute wieder in ihre Boxen gebracht, wo bei der Stute eventuell ganz sehnsüchtig das Fohlen wartet.
Manchmal wird die Stute, die auch nach dem Deckakt vom Tierarzt betreut wird, zweimal in einer Rosse dem Hengst zugeführt.
Wenn die Stute tragend ist, kann man sich allerdings noch nicht zurücklegen. Viele Komplikationen können bis zur Geburt noch auftreten, wie z.B. verfohlen, Abort, Virusinfekte oder resorbieren.
Resorbiert die Stute, dann wird die Frucht vom Körper wieder aufgenommen und somit ist die Stute dann nicht mehr tragend. Sie ist dann güst.

Die Geburt

Geht alles gut, kann nach 11 Monaten Tragezeit das Fohlen erwartet werden.
Auf den Tag genau kann man es meistens nicht vorhersehen, da die Stuten in der Lage sind, eine Geburt herauszuzögern, bis die äußeren Umstände eine ruhige Geburt zulassen.
Äußere Merkmale für eine anstehende Geburt sind u.a. die Harztropfen an den Zitzen, ein Anschwellen des Euters und das Einfallen der Muskelstränge links und rechts der Wirbelsäule auf der Kruppe.
Die Stute läuft im Kreis, legt sich hin, steht wieder auf und je näher die Geburt rückt und je heftiger die Wehen werden, desto schwerer geht sie durch die Box, um einen guten Platz zum Abfohlen zu finden. Sie legt sich dann in eine Ecke der Box und meistens dauert es dann auch nicht mehr lange, bis die Fruchtblase platzt.
Kurz darauf werden schon die Vorderbeine des Fohlens sichtbar. Im Normalfall braucht der Mensch in den Geburtsvorgang nicht eingreifen.
Die Hufe des Fohlens sind noch ganz weich, damit sie die Stute nicht verletzen können.
Idealerweise liegt der Kopf des Fohlens auf den Vorderbeinen und gleitet mit hinaus. Wenn der Kopf draußen ist, sollte man, sofern im Geburtsvorgang noch nicht geschehen, die Eihülle zerreissen und die Nüstern freimachen.
Der Rest des Fohlens gleitet ohne weiteres zutun mit nach draussen.
Das alles ist ein hartes Stück Arbeit für die Stute.
Die Nabelschnur kann man durchtrennen oder sie reisst von alleine. Der Tierarzt macht dann eine Erstuntersuchung um Festzustellen, ob das Fohlen gesund ist.
Das Fohlen sollte spätestens eine Stunde nach der Geburt seine ersten Aufstehversuche machen, um dann auf wackeligen, aber eigenen Beinen zu stehen.
Man sollte darauf achten, daß das Darmpech abgeht beim Fohlen und bei der Stute muß die Nachgeburt auf jeden Fall komplett rausgehen. Sonst kann es zu einer bösen Infektion kommen.
Der Tierarzt prüft die Nachgeburt auf Vollständigkeit und begutachtet den Mutterkuchen.
Sobald das Fohlen steht, sucht es bereits die Nahrungsquelle Milch bei der Mama. Die erste Milch, die sogenannte Kolostralmilch, ist sehr wichtig für das Fohlen, da diese wertvolle Mineralstoffe enthält, die man auch künstlich nicht herstellen kann.
Ein Fohlen lernt sehr schnell und wird schnell an Gewicht zunehmen.
Man versucht, die Fohlen so rasch wie möglich, mit auf die Weide zu bringen. Dort haben sie Altersgenossen, mit denen sie spielen können und trainieren dabei unbemerkt ihren Muskelaufbau.
Ab Mai etwa, versucht man, die Pferde Tag und Nacht auf der Weide zu lassen, wo Mutter und Kind dann auch zugefüttert werden.
Tägliche Kontrollen sind dabei unerlässlich.


Nach ca. 6 Monaten ist die Zeit gekommen, daß die Fohlen abgesetzt werden müssen.
In den Bäuchen ihrer Mütter wächst bereits oftmals ein neues Fohlen heran.
Der Trennungsschmerz der Fohlen und Mütter ist erstmal groß. Laut hallen ihre Rufe über Weiden und durch die Ställe. Doch das dauert meistens nicht lange.
Schon bald tollen sie mit den Gleichaltrigen über die Wiesen.
Der Koppelzaun sollte jedoch vor dem Absetzen begutachtet werden. Er muß absolut intakt sein, da manche Pferde auch durch Zäune gehen würden, um nur wieder bei Mutter bzw. Fohlen zu sein.

Der erste Schritt ins Erwachsenenleben ist damit getan.

Bis ca. Oktober des nächsten Jahres laufen die Absetzer/Jährlinge noch auf der Koppel, bevor sie in den Rennstall oder zur Versteigerung gehen.

Vom Fohlen zum Rennpferd

Am 1. Januar nach seiner Geburt wird das Fohlen zum Jährling, unabhängig davon,wann es geboren wurde.
Viele Gestüte üben bereits dann mit dem jungen Pferd das Anlegen der Trense und führen es damit und es lernt,seine natürliche Schiefe auszubalancieren, indem es auf beiden Händen galoppiert wird (ohne Reiter und Sattel).
Beherrscht es dieses, wird es an Sattel und Reitergewicht gewöhnt (dies geschieht oft im Trainingsstall) und es wird dann auch richtig, aber behutsam trainiert.
Mit 2 Jahren darf der Vollblüter dann bis zu 8 Rennen bestreiten, was aber kaum ein Trainer bzw. Besitzer macht. Üblich sind so 2-3 Rennen.
Vollblüter werden schon seit Jahrhunderten auf Frühreife gezogen. Nur sie werden von verantwortungsbewußten Züchtern,Trainern und Besitzern mit 2 Jahren auf die Bahn geschickt.
Spätreife Pferde gehen erst ab 3 Jahren auf die Bahn.
Bevor ein Zweijähriger ins Rennen gehen darf, müssen zwei Tierärtze während des Trainings und vor ihrem Start eine Tauglichkeitsprüfung machen, die dem Pferd bescheinigt, daß es gesund ist und starten darf.
Die Wachstumsfugen müssen ebenfalls bereits geschlossen sein. Außerdem reiten nur leichtgewichtige Profis das Pferd und die Sättel wiegen auch nur einen Bruchteil davon, was ein normaler VS, Dressur oder Springsattel wiegt (vom Westernsattel mal ganz zu schweigen).
Tiermediziner haben mittlerweile herausgefunden,was wirklich auf die Knochen geht. Und das ist weder das frühe Anreiten und das Fordern des noch jungen Rennpferdes, sondern die engen Wendungen, die von einem Dressur- oder Springpferd abverlangt werden.